Die Geschichte der Freiwilligen Feuerwehr

Heinersreuth von
1879 bis 1983


Blättert man in den alten Protokollbüchern der Freiwilligen Feuerwehr Heinersreuth, so findet man dort exakte und sorgfältige Aufzeichnungen über die personelle Besetzung sowie Ausrüstung und Inventar über alle Jahre hinweg, seit der Gründerzeit bis hinein in die Gegenwart. Will man dagegen den Weg der Heinersreuther Feuerwehr durch die Geschichte verfolgen, so lassen einen jene eingangs gerühmten Protokollbücher in Stich. In dieser Hinsicht ist man auf die mündlichen Überlieferungen älterer Herren aus dem ehemaligen Gemeindebereich von Heinersreuth angewiesen. Teil lassen sich jene Feuerwehrsenioren nicht so gern ausfragen, da sie glauben, das von ihnen Ausgesagte sei zu wenig mit Tatsachen untermauert.
Glück dagegen hat man als kleiner Geschichtsforscher der Historie der Feuer- wehr Heinersreuth, wenn man Leute wie den "Lehners Girgl" (Schwindl Georg) aus Oberlenkenreuth befragen darf. Obwohl jener Senior bereits 93 Jahre alt ist, berichtet er Interessantes aus dem Stegreif, belegt es mit Daten und Namen wie ein Jugendlicher. Engagiert hat er die Geschichte der Feuerwehr von Heinersreuth miterlebt und mitverfolgt. Vieles, freilich hat er auch schon von seinem Vater erfahren und nicht selbst miterleben können.

 

Aus der Geschichte der Wehr

Relativ früh, nämlich exakt am 15. Juni 1879 haben sich verantwortliche Männer aus dem Gemeindebereich Heinersreuth organisiert, und eine Freiwillige Feuerwehr gegründet. Damals konnte sich die Neugegründete Wehr der Mitgliedschaft von 40 Männern erfreuen. Aus heutiger Sicht, bereits eine sehr stattliche Anzahl von Mitgliedern, die versuchten, durch ihren Beitrag die Ziele des Feuerwehrgedankens zu verwirklichen.

Erster Vorstand überhaupt in der Geschichte der Wehr wurde Adam Schmidt, Ökonom aus Heinersreuth, der bis zum 10. Januar 1886 die Geschicke des Vereins leitete.

Nachfolger im Amt des Vorstandes wurde der Bierbrauer Georg Besold aus Heinersreuth. Ein Name, der immer wieder in wichtigen Funktionen in der Vereinsgeschichte auftaucht.

Als Kommandant in der Gründungszeit fungierte Johann Freiberger, Ökonom aus Heinersberg. Die Kommandanten hatten damals als Dienstgradbezeichnung den Titel Hauptmann. Seinerzeit bestand die Vorstandschaft nur aus Hauptmann und Vorstand.

Kassier und Schriftführer der Gründungsmannschaft war der Bauernsohn Johann Friedl aus Lenkenreuth, der hierarchisch jedoch in der Gruppe der so genannten Chargen geführt wurde.

Mitglieder dieser Gruppe waren ferner der Zugführer, sowie der Adjutant und der Signalist, der stets für die Alarmierung zuständig war. Die Feuerwehren damals verfügten auch über eine Steigermannschaft. Man darf wohl annehmen, dass diese Gruppe der Feuerwehr von heute mit einem Angriffstrupp, Wasser- und Schlauchtrupp vergleichbar ist. Ferner war zur damaligen Zeit eine so genannte Spritzenmannschaft eingeteilt. Sie musste ihren Dienst an der damals verwendeten Handspritze verrichten. Bei diesen Geräten handelte es sich um Kolbenpumpen, die durch Hin- und Herwippen in Gang und Betrieb gesetzt wurden.

 

Erste Brandeinsätze der Feuerwehr Heinersreuth

Wie der eingangs schon erwähnte Georg Schwindl aus Lenkenreuth zu berichten weiß, war die erste Spritze, die in den Diensten der Feuerwehr stand, keine Selbstansaugende Pumpe. Das Löschwasser musste aus einem Bach in das Spritzenbecken geschöpft werden. In jedem Gehöft war seinerzeit ein "Feuereimer" deponiert, der im Brandeinsatz zum Wasserschöpfen verwendet wurde. Dabei handelte es sich um ein Behältnis aus Leder.

Sehr ausführlich berichtet Georg Schwindl über einige Brandeinsätze, die mit Hilfe dieser ersten Spritze durch die Heinersreuther Feuerwehrkameraden bekämpft wurden. Den alten Aufzeichnungen kann man entnehmen, dass eine Feuerwehrspritze bereits 1872 durch die hiesige Gemeindeverwaltung angeschafft worden war, also einige Jahre vor der offiziellen Gründung der Freiwilligen Feuerwehr schon in Diensten stand. Sehr stolz erzählt der Lehner Girgl von den Leistungen der ersten Spritze. Angeblich wurde durch dieses Gerät ein derartiger Druck erzielt, dass der Wasserstrahl bei einem Brandeinsatz in Oberbibrach über den dortigen Kirchturm reichte. Stolz auch durften die Feuerwehrpioniere von Heinersreuth auch über ihre Leistungen sein, die anläßlich eines Großbrandes im Jahre 1893 in der Stadt Creußen erbracht wurden. Damals wütete in der oberfränkischen Nachbarstadt am 12. und 13. August ein schrecklicher Großbrand, der nicht zuletzt durch den tatkräftigen Einsatz der Heinersreuther Feuerwehrkameraden wirksam bekämpft werden konnte. Der Stadtmagistrat von Creußen würdigte den vorbildlichen Einsatz der Wehrmänner von Heinersreuth mit einem Danksagungsschreiben. Bemerkenswerte Einzelheiten über Brandeinsätze im Jahre 1888 sind einem "alten Protokoll zu entnehmen.”

Hier heißt es: "Brand am 26 den Juni in Naslitz und 8den Juli 1888 in Thurndorf je Nachts 12 1/4 Uhr begonnen und ersterer früh 6 Uhr und letzterer um 4 1/2 Uhr geendet. Erstanden je in einer Scheune. Entstehungsursache unbekannt.

In Naslitz 8 Gebäude vom Feuer ergriffen, davon 7 niedergebrannt, in Thurndorf 8 ergriffen und 5 niedergebrannt.
Mannschaft am Platz

in Naslitz                                                                                  in Thurndorf
a)      freiwillig 20 Mann                                                            a) 21 Mann
b)     pflichtig –                                                                         b) 4 Mann
c)     sonstige 7 Mann                                                               c) 9 Mann

1 Maschine tätig
Schläuche verwendet            in Naslitz 56 Meter 
                                            in Thurndorf 30 Meter

Unterstützung für 1887 aus der Distriktkasse Eschenbach 70 Marin erhalten. Gerade der letzte Satz des Protokolls lässt vermuten, dass die Heinersreuther Wehrmänner in den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts sehr aktiv waren.

 

Brände  aus dem ehemaligen Gemeindebereich

Recht wehmütig berichten die Feuerwehrveteranen von einem Brandeinsatz im Jahre 1893 auf der Krücklasmühle. Alle Gebäude mussten niederbrennen, da zwar die Wehrmänner zur Stelle waren, jedoch zum Brandzeitpunkt kein Löschwasser zur Verfügung stand. Es ist klar, dass zur Jahrhundertwende ein Wassertransport von Heinersreuth oder Lenkenreuth über eine längere Strecke unmöglich war.

Bei Betrachtung der jüngeren Geschichte der Feuerwehr bleibt zu registrieren, dass im Jahre 1940 in Heinersreuth das Anwesen Häberl (Müller) von einem Großbrand heimgesucht wurde Scheune, Stallung und Wohnhaus seien damals niedergebrannt. Sogar die Sassenreuther Dreschmaschine, die im bezeichneten Anwesen gerade untergestellt war, wurde ein Opfer der Flammen.

Bei einer Erinnerung an die jüngste Geschichte darf der Großbrand vom 18. Juni 1971 in Heinersberg nicht unerwähnt bleiben. Andreas Freiberger, der damals Kommandant war, kann sich noch genau an jenen Tag erinnern. Wie er aussagt, ist damals das gesamte Gehöft von Georg Rieger niedergebrannt. Erschwerend kam damals hinzu, dass an jenem besagten Sonntag in Burkhardsreuth ein Kreisfeuerwehrtag abgehalten wurde und alle Feuerwehrmänner aus der gesamten Umgebung kurzfristig nicht zur Verfügung standen.

 

Gerätschaft und Ausrüstung der Wehr

Die bereits mehrmals schon erwähnte Spritze wurde, trotz der besonderen Er- folge auf dem Gebiet der Brandbekämpfung, durch ein verbessertes Gerät abgelöst, welches selbst ansaugen konnte. Das Gerät wurde vermutlich noch im vorigen Jahrhundert ausgetauscht; ein genauer Zeitpunkt ist nicht in Erfahrung zu bringen.

Genau Bescheid weiß man über die Einsatzdauer dieser zweiten Spritze. 1952 ist diese Pumpe, die heute noch zu besichtigen ist, durch eine DKW-Motorspritze abgelöst worden. Diese war tragbar, hatte kein eigenes Fahrgestell und wurde im Einsatzfall auf einem Wagen transportiert.

Schon 1966 konnten die Wehrmänner von Heinersreuth sich über die Anschaffung eines Tragkraftspritzenanhängers freuen, der heute noch in ihren Diensten steht. Früher, so wissen die Feuerwehrveteranen zu berichten, stand in den einzelnen Ortschaften, die zur ehemaligen Gemeinde Heinersreuth gehören, überall ein eigenes kleines Gerätehaus. Dabei handelte es sich in der Regel um einen kleinen Holzschuppen, in dem die wichtigsten Feuerwehrgerätschaften untergebracht waren.

Neben den örtlich stationierten Feuerwehrleitern waren den hauptsächlich noch Schutzhelme und sonstiges kleines Gerät für den Alarmfall bereitgestellt. Heute sind diese Geräteschuppen überflüssig geworden.

Durch die Initiative des heutigen Altbürgermeisters von Heinersreuth Anton Schmidt konnte im Jahre 1968 das jetzige Feuerwehrgerätehaus gebaut und von den Wehrmännern übernommen werden. Neu renoviert präsentieren sich dieses Gebäude den Festbesuchern. Sicherlich kann in einem derartigen Aufsatz nicht alles Wichtige aufgezeigt werden, weil hierfür die Informationen gänzlich fehlen, oder nur unvollständig vorhanden sind. Bleibt nur zu wünschen, dass den jetzigen und auch für die Zukunft amtierenden Protokollführern die nötige Zeit bleibt, sowie auch immer die nötige Einsicht vorhanden sein möge, alles Wesentliche sorgfältig festzuhalten, dass auch die Nachwelt die Möglichkeit hat, Wissenswertes aus der Vereinsgeschichte nachzulesen.

Gegenwärtig verfügt die Festfeuerwehr von Heinersreuth über ein junges Team von Verantwortlichen, das sehr viel Initiative zeigt, das sich durch die Veranstaltung des diesjährigen Festes einiges vorgenommen hat. Außerdem wird die neu angeschaffte Vereinsfahne beim 100-jährigen Gründungsfest die kirchliche Segnung erhalten. Bleibt nur zu wünschen, dass dieses Jubiläumsfest sich eines regen Besuchs aus nah und fern erfreuen darf, damit diese Veranstaltung als weiterer Höhepunkt in die über hundertjährige Vereinsgeschichte eingehen darf. Es ist heute schon sehr selten, wenn eine so kleine Mannschaft, wie dies in Heinersreuth der Fall ist, aus Verbundenheit zu ihrer Mannschaft, aus Treue und Pflichtbewusstsein gegenüber dem Feuerwehrwesen so viel Freizeit opfert, und somit letztlich den kameradschaftlichen Geist in die Zukunft trägt, damit dieser auch in den kommenden Generationen fortleben kann.

Gott zur Ehr, dem Nächsten zur Wehr, es lebe die Heinersreuther Feuerwehr.

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(Literatur- und Quellenangaben beim Verfasser; Vervielfältigungen, auch auszugsweise, bedürfen der Genehmigung des Verfassers)